Tschaikowsky – fast hautnah erlebt

Wie das ORSO Schulklassen in die Proben lockt – und mit klassischer Musik begeistert

Mit weit aufgerissenen Augen blicken siebzig 14-jährige Freiburger Schüler und Schülerinnen auf die lange Reihe der blitzenden Blechblasinstrumente, die das fanfarenartige Signal zu Beginn von Tschaikowskys vierter Sinfonie intonieren. Die Spannung steigt, als nach und nach der gesamte Klangkörper von ungefähr 120 jugendlichen Musikern unter der mitreißenden Animation des Dirigenten Wolfgang Roese in die Musik mit einsteigt. Gebannt verfolgen die Schüler und Schülerinnen, die größtenteils noch nie ein Sinfonieorchester live und schon gar nicht aus der Nähe betrachten konnten, das Geschehen: Zwischen den jungen Besuchern und den Musikern liegt nicht ein Meter Distanz.

Die Distanz zu verringern zwischen Jugendlichen aller Schularten und der so genannten „klassischen Musik“, welche die heutige Jugend meistens nur innerhalb des schulischen Musikunterrichts erlebt, ist das Ziel des Bildungsprojekts „ORSOeducation“. Angemeldet als bildungspolitisches Projekt beim Oberschulamt soll es gerade für die Musiklehrer aller Schularten ein Angebot zur Zusammenarbeit darstellen: Schüler und Lehere sind herzlich eingeladen, an Proben und auch an Konzerten eines aus jungen Mitgliedern bestehenden Sinfonieorchesters unentgeltlich teilzunehmen.

Neben dem Probenbesuch stehen die Musiker für Fragen und kurze Hörbeispiele auf den einzelnen Instrumenten zur Verfügung, dazu bekommt jeder Schüler am Ende noch eine Education-CD-ROM mit den wichtigsten Fakten zu Instrumentenkunde, Musikgeschichte und Komponisten. Als zusätzliches Highlight für die Schüler können sich die Teilnehmer dann spätestens am Tag darauf im Internet bewundern: Ihr Probenbesuch wird bildlich dokumentiert und auf die Orso-Internetseite gestellt.

“Das Interesse an der Musik generell soll geweckt werden“, formuliert Wolfgang Roese seine Ziele, „und dies soll den musikalischen Horizont auch in Richtung der traditionellen Konzertliteratur erweitern“. Darum lädt das Orsophilharmonic, ein großes sinfonisches Orchester, das aus dem heute rund 200-köpfigen „Orso – The Rock Symphony Orchestra“ hervorgegangen ist, die Schüler und Schülerinnen ein.

Am Ende steht dann das praktische Tun: Musikalische Begabungen sollen geweckt und gefördert werden. Dies geschieht sowohl durch individuellen Instrumentalunterricht als auch in Verbindung mit dem Orchester: Das Orso und seine diversen Untergruppierungen laden laufend zum Vorspielen ein, ein aktuelles Casting für das neue Projekt läuft gerade. Unter dem Motto „Orso rockt auf Ganter“ findet am 17. Juli auf dem Gantergelände in Freiburg das Open-Air-Konzert „rock meets Classic“ mit über 200 Mitwirkenden in Orchester undChor statt – ein Crossover zwischen Rock-/Popliteratur und der Symphonik des 19. Und 20. Jahrhundert.

Sabine Derdus

 

Ein Projekt das Ohren öffnet

Schüler aus Baden-Württemberg schauen in Freiburg hinter die Kulissen des Konzertbetriebes.

Im Parkett des Freiburger Konzerthauses sitzen einige Jugendliche. Ein Tontechniker verlegt Kabel, eine Dame telefoniert, auf der Bühne ist ein großes Blasorchester aufgestellt: Die ORSOwinds haben Premiere. Es ist Einspielprobe, in weniger als zwei Stunden beginnt das Konzert.

Die Jugendlichen haben sich nicht zufällig am späten Nachmittag ins Konzerthaus verirrt. Sie sind wie viele weitere Schulen in Baden–Württemberg von dem Freiburger Orchester zu einem neu gestarteten "Education-Projekt“ eingeladen worden. Auf diesem Weg soll Schülern ein lebendiger Zugang zur klassischen Musik vermittelt werden. Heute ist die Berufsschule für Sozial– und Pflegeberufe aus Zell a.H. zu Gast, die meisten Schüler machen dort eine Ausbildung zum Jugend– und Heimerzieher. Musikpädagoge Klaus Langer ist vom Probenbesuch begeistert: „Dieses Projekt öffnet die Ohren. Es ist sehr interessant, einmal hinter die Kulissen des Konzertbetriebes schauen zu können und bei einer Probe hautnah dabei zu sein.“

Benjamin (24) möchte nach seiner Berufsausbildung mit Behinderten arbeiten. Auch Ihm gefällt dieses Projekt: „Ich denke schon, dass man auf diesem Weg vielen Kindern den Einstieg in die klassische Musik erleichtern kann. Für die Arbeit mit Behinderten beispielsweise ist Musik ganz entscheidend.“

Das ORSO-Schulprojekt, das vom Kulturministerium Baden-Württemberg unterstützt wird, geht weiter. Auch bei den Konzerten des Chores (Orsovocals) am 25. November und des Symphonieorchester (orsophilharmonic) am 22. Dezember haben Schulklassen wieder die Gelegenheit, hinter die Kulissen des Orchesters zu schauen und aktiv an Proben teilzunehmen. „Bei der Generalprobe für dieses Konzert in der Freiburger Waldorfschule konnten wir die Schülerinnen und Schüler noch viel stärker in die Orchesterarbeit einbeziehen “, erzählt ORSO–Dirigent Wolfgang Roese. „Die Kinder sagten uns, was sie bei der Musik empfanden und durften auch mal selbst Hand anlegen und an der Harfe zupfen.“

Am Ende der Einzelprobe im Konzerthaus hält der 28–jährige Dirigent noch eine kurze Ansprache: „Spielt nicht zu ängstlich, zeigt heute Abend Mut zum Risiko“, sagt er seinen jungen Musikern. Vielleicht gilt dies ja nicht nur für das bevorstehende Konzert.

Georg Rudiger

 

Originalartikel

 

 

 

 

 

 

 

ORSOeducation

ORSO - The Rock Symphony Orchestra
Schwarzwaldstr. 9-11, 79117 Freiburg
0761 - 70 73 200